Podiumsdiskussionen im Rahmen des Kongresses

Grenzenloser Pluralismus der Methoden. Die hermeneutische Funktion der Semiotik

Teilnehmende: Aleida Assmann und Peter Fröhlicher

Moderation: Peter Rusterholz und Christina Vogel (Sektion Semiotik und Hermeneutik)

Zeit/Ort: 12.09.2017, 16:00-17:30 Uhr (HS 5 | WiWi)

In den letzten Jahren haben sich die Geisteswissenschaften zu Kulturwissenschaften entwickelt und den Bereich ihrer Gegenstände und Fragestellungen im Horizont moderner Medienkultur enorm erweitert. Die neuen fächer- und medienübergreifenden Perspektiven haben überkommene Disziplinen- und Interpretationsgrenzen überwunden, aber gleichzeitig zu einer oft beliebigen Verwendung von theoretischen Modellen und Methodenkombinationen geführt.

Vor dem Hintergrund der erkenntnistheoretischen Verunsicherung und der unreflektierten Beliebigkeit der Verfahren will das Podium die Frage diskutieren, welche hermeneutische Funktion die Semiotik spielen kann. Angesichts der Pluralität der Zeichentheorien und Zeichenbegriffe soll auch erörtert werden, welche Semiotik sich für das Verstehen bestimmter Gegenstände (literarische Texte, visuelle Objekte etc.) besonders eignet.

Chancen, Gefahren und interpretatorische Grenzen der semiotischen Erkenntnismodelle sind zentrales Thema des Podiumsgesprächs.

Über Aleida Assmann: Studium der Anglistik und Ägyptologie. Von 1993-2014 Professorin für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. Zahlreiche Fellowships (Wissenschaftskolleg zu Berlin, Aby-Warburg-Haus Hamburg) sowie Gastprofessuren an amerikanischen Universitäten. Forschungsthemen: Semiotik und Hermeneutik, individuelles und kulturelles Gedächtnis, Gewalt, Trauma und vergleichende Geschichtspolitik. Aktuelle Publikationen: Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur (2013); Ist die Zeit aus den Fugen? Aufstieg und Niedergang des Zeitregimes der Moderne (2013); Im Dickicht der Zeichen (2015), Formen des Vergessens (2016).

Über Peter Fröhlicher: Studium der Romanistik an den Universitäten von Zürich, Paris (Sorbonne), Siena und Lima. Gastprofessuren in Wien, Neuchâtel, Veracruz, São Paulo. Professor für spanischsprachige und französische Literatur an der Universität Konstanz, Ordinarius für neuere französische Literatur an der Universität Zürich (1996-2015), Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Semiotik (1996-2001), Mitglied des Schweizerischen Wissenschafts- und Innovationsrates (2008-2015). Aktuelle Publikationen: Narrazione ed esperienza estetica, Atti del XXXIV Congresso dell’Associazione italiana di studi semiotici, Università di Cosenza 17-19 novembre 2006, a cura di G. Marrone, N. Dusi e G: Lo Feudo, Roma, Meltemi, 2007, pp. 133-143;  Modelos narrativos, en Teoría e interpretación del cuento. Estudios editados por Peter Fröhlicher y Georges Güntert, Perspectivas hispánicas, Lang, Bern, 1995, pp. 32-45;  „Le Désir de peindre“ – une poétique en acte, in L’Année Baudelaire, 11/12 (2007/2008), Paris, 2009, pp. 31-47;  Des vertus de l’analyse de texte. Pour un tournant littéraire, in Versants, 63.1, fascicule français, 2016, pp. 59-67.

Die ethische Relevanz von Bildern und ihre nicht-sprachlichen (nicht-dis­kur­si­ven) Qualitäten

Teilnehmende: Eva Schürmann (Philosophie) und Joachim Knape (Allgemeine Rhetorik)

Moderation: Martina Sauer (Sektion Bild)

Zeit/Ort: 13.09.2017, 16:00-17:30 Uhr (HS 7 | WiWi)

Wenn tatsächlich durch Praktiken der ikonischen Sichtbarmachung Grenzen des Eigenen, Anderen und Fremden verändert werden können, so eröffnen sich grundlegend zwei Fragen: Wie lassen sie sich näher beschreiben und greifen, und inwiefern erweisen sie sich als ethisch relevant? Aus unterschiedlicher Perspektive sollen diese Fragen im Plenum von Eva Schürmann (Philosophie) und Joachim Knape (Allgemeine Rhetorik) diskutiert werden. In der Begegnung mit dem Bild ist es die Interaktion bzw. die ‚Verletzbarkeit‘ des Rezipienten, die in den Ansätzen stark gemacht wird und insofern einen konkreten Hinweis auf Veränderungsprozesse gibt: Sie vermag die Grenzen „umzustürzen“ (Schürmann) bzw. sie lässt sich als ein „kommunikatives Faktum“ beschreiben (Knape). Mit der Diskussion gilt es insofern, die jeweiligen Grundlagen für diese Befunde aufzudecken und zu diskutieren und für die Ausgangsfrage des Kongresses fruchtbar zu machen.

Über Eva Schürmann: Eva Schürmann, Prof. Dr. phil., ist Inhaberin des Lehrstuhls für philosophische Anthropologie, Kultur- und Technikphilosophie an der Universität Magdeburg. Von 2009-2011 war sie Professorin für Kulturphilosophie und Ästhetik an der HAW Hamburg. 2014 wurde ihr für ihre Theorie des Gesichtsinnes der Wissenschaftspreis der Aby-Warburg-Stiftung verliehen. Seit 2015 ist Mitherausgeberin der Allgemeinen Zeitschrift für Philosophie. Auswahl der Veröffentlichungen: Sehen als Praxis. Frankfurt a. M. 2008; Sagen, Zeigen, Handeln. In: Judith Siegmund, Daniel Feige (Hg.): Kunst und Handlung. Bielefeld 2015. 53-72; Wie ist philosophische Anthropologie heute möglich? In: Elif Özmen (Hg.): Über Menschliches. Anthropologie zwischen Natur und Utopie. Münster 2016. 193-212.

Über Joachim Knape: Joachim Knape, Prof. Dr. phil., ist seit 1991 Rhetorikprofessor an der Universität Tübingen. Von 2004 bis 2009 war er Dekan der Tübinger Neuphilologischen Fakultät und wirkte von 2010 bis 2014 als Sprecher des Fachbereichs Philosophie – Rhetorik – Medien. Er ist Herausgeber der Buchreihen Gratia. Tübinger Schriften zur Renaissanceforschung und Kulturwissenschaft und Neue Rhetorik. Auswahl der Veröffentlichungen: J. Knape (Hg.): Bildrhetorik. Baden-Baden 2007; Gibt es Pathosformen. Überlegungen zu einem Konzept von Aby M. Warburg? In: W. Dickhut et al. (Hg.): Muster im Wandel. Göttingen 2008, S. 215–257; A. Ulrich, J. Knape (Hg.): Medienrhetorik des Fernsehens. Begriffe und Konzepte. Bielefeld 2015; Was ist ein Bild? Wiesbaden 2016, Bildrhetorik. In: GIB – Glossar für Bildphilosophie, DFG-Netzwerk Bildphilosophie.

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