Deutsche Gesellschaft für Semiotik (DGS) e.V.  |  E-Mail: vorstand@semiotik.eu   |  Online: www.semiotik.eu
Startseite - Deutsche Gesellschaft für Semiotik (DGS) e.V.
12. bis 16. Oktober 2011 an der Universität Potsdam
Call for Papers der gemeinsamen Sektion "Wirtschaft+Design" beim Semiotik-Kongress 2011

Das Rahmen-Thema des 13. Internationalen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Semiotik (DGS) in 2011 lautet: „Repräsentation - Virtualität - Praxis“ 


Die „Sektion Design“ in der DGS kooperiert bei diesem Kongress mit der „Sektion Wirtschaft“ der DGS und wird dort eine gemeinsame Sektion organisieren. Daraus ergeben sich spezifischer Fragestellungen:


Management als Design? Design als Management? Intra-, inter- und trans-disziplinäre Perspektiven auf die Gestaltung von ökonomischer, ästhetischer und moralischer Lebenswelt.



1. Thematischer Schwerpunkt:

Disziplin-Grenzen als virtuelle Konsequenz einer spezifischen Praxis?


Design kann unabhängig von historisch zufälligen Semantiken definiert werden als strategische Intervention, deren Ziel in einer bewussten Überwindung der Differenz zwischen einem Ist-Wert und einem Soll-Wert besteht. Somit sind auch die Bereiche Therapie, Pädagogik und Management systemisch betrachtet Design-Disziplinen, und umgekehrt. Der systemsemiotische Ansatz erlaubt die Unterscheidung von intra-, inter- und trans-disziplinärem Design. Diese befassen sich mit verschiedenen Arten von Ist-Soll-Differenzen, die jeweils als die zu beseitigende Sub-Optimalität aufgefasst wird. Behandelt nun die intra-disziplinäre Sicht nur syntaktische Differenzen eines definierten Codes? Sind inter-disziplinäre Designer als eine Art von Übersetzern zu begreifen, die ein Interface von einer Semantik zu einer anderen entwerfen? Können nur trans-disziplinäre Designer die pragmatischen Probleme thematisieren, welche in der normativen Natur der Soll-Werte und deren Legitimation bestehen?


2. Thematischer Schwerpunkt:

Nachhaltigkeit als Problem des passenden Abstraktions-Niveaus?


Gestaltung von Lebenswelt vereinigt als systemischer Ansatz notwendigerweise Aspekte von Ressourcen-Ökonomie, Wirtschafts-Ethik und Rezeptions-Ästhetik. Aus dieser Sicht macht es durchaus Sinn den disziplin-übergreifenden Blick zu wagen. Dies geschieht in jüngerer Zeit auch vermehrt. So ist die „Glücksökonomie" aus einer Verknüpfung von wirtschaftswissenschaftlichen und sozialpsychologischen Perspektiven entstanden. Welche Probleme sind hiermit verbunden? Sind diese auf das damit notwendige Abstraktions-Niveau und damit einhergehende Virtualisierung zurückzuführen? Welche methodischen Ansätze für Analyse, Entwurf und Implementierung eines ästhetisch, ökonomisch und ethisch reflektierten „guten Lebens" sind möglich? Und woran würden wir es erkennen, wie nahe wir diesem Ziel gerade sind?


3. Thematischer Schwerpunkt:

Wertschätzung oder Wertschöpfung beim Design einer Dienstleistung?


Designer/Manager müssen sich die Welt so zurichten, dass sie laufend nachgefragt werden. Probleme dürfen demnach nicht gelöst und Bedürfnisse nicht wirklich befriedigt werden, vielmehr müssen sie virulent bleiben, um die Suchtstruktur zu erzeugen, von der das Wirtschaftssystem und auch der Designer/Manager lebt. Nur wer im Unglück lebt, ist empfänglich für Glücksversprechen. Ziel der Wirtschaft ist daher nicht das Glück der Menschen, sondern ein permanentes Glücksversprechen, das durch immer neue Produkte zu Geld gemacht wird. Wenn die Gesellschaft als Ganzes zum Design-Problem wird, kommen wir um die Frage nach strukturellen Problemen nicht herum: Woran ist ein krankes System eigentlich erkennbar? Ist z.B. die Optimierung von Arbeits-Atmosphäre ein humanistischer Akt der Wertschätzung - oder nur eine etwas längerfristig angelegte Optimierung der Wertschöpfung? Ist es entscheidbar, wem ein Dienstleistungs-Design wirklich dient?



Hinweise zur Gestaltung des Abstract:


Das Abstract kann auf Englisch oder Deutsch eingereicht werden. Es sollte nicht länger als eine DIN-A4-Seite sein (etwa 300 Wörter) und neben dem Titel der Präsentation und fünf inhalts-charakterisierenden Stichwörtern (Keywords) den Namen, die wissenschaftliche Institution und die E-Mail-Adresse des Teilnehmers enthalten. Die Dauer der Präsentation sollte 30 Minuten (+ 15 Minuten Diskussion und technischer Aufbau) nicht überschreiten.


Termin und Kontakt:


Frist für die Einreichung des Vortrags-Abstract ist der 30. September 2010.


Bitte per eMail an einen der beiden Beiräte, welche die Sektion Design in der DGS leiten:

Klaus Schwarzfischer   ks@indukt.de

Thomas Friedrich          t.friedrich@hs-mannheim.de

oder an den Leiter der Sektion Wirtschaft in der DGS:

Klaus Bernsau               semiotics@kommunikation-kmb.de


Die Benachrichtigung über die Annahme des Beitrages erfolgt bis zum 31. Oktober 2010.


Es ist geplant, die Beiträge der Sektion Design als Buch zu publizieren, das bereits zum Kongress erscheint. Die Volltext-Version des Vortrages (bis zu ca. 5.000 Wörter) ist dann bis 31. Dezember 2010 einzureichen, wenn der Beitrag im Buch erscheinen soll. (Die Akzeptanz des Kongress-Vortrages ist davon nicht unmittelbar betroffen. Aber eine komplette Buch-Fassung erscheint uns wünschenswert.)


Lektüre-Empfehlungen im Vorfeld:


Schwarzfischer, Klaus (2010): Transdisziplinäres Design: Design als Intervention und System-Therapie. (Was verbindet jede Gestaltung in den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Politik sowie Gesundheit?) Regensburg: InCodes Verlag.


Friedrich, Thomas & Schwarzfischer, Klaus (Hrsg.) (2008): Wirklichkeit als Design-Problem. Zum Verhältnis von Ästhetik, Ökonomik und Ethik. Würzburg: Ergon Verlag.


Boland, Richard J. jr. & Collopy, Fred (2004): Managing as Designing. Stanford: Stanford Univ. Press. 

zurück nach obenzurück nach oben